Heute möchte ich mich zu einem Thema äussern, das mir schon länger auf der Seele brennt. In der letzten Zeit liest man immer sehr viel Kritik und Vorwürfe, welche an die Profis im Reitsport gerichtet ist. Nur um das hier klarzustellen, ich bin absolut GEGEN jegliche Ungerechtigkeit und Gewalt gegen Pferde, bzw. Tiere im Allgemeinen. Jedoch finden sich im Amateursport meiner Meinung nach auch sehr viele Pferde, welchen Leid zugetragen wird. Teilweise unwissend, teilweise auch im vollen Wissen des Täters. Auch wenn die Profis unsere Aushängeschilder sind (& schlechtes Reiten & unfaires Verhalten absolut nicht toleriert werden sollen), finde ich nicht, dass Gewalt am Pferd vom Profi ausgeführt als so viel schlimmer deklariert werden sollte, als bei den Amateuren. Vielen Pferden von Amateuren wird täglich unrecht zugearbeitet. Reiter, welche einen total unausbalancierten Sitz haben, springen ihre Pferde ohne Sattel über Hindernisse, welche sie nicht korrekt anreiten mit falschen Distanzen. Reiter mit viel zu harter Hand zurren ihre Pferde vorne runter & nennen es Versammlung, obwohl sie selbst kaum im Stande sind den Trab auszusitzen. Ist das fairer, als das unfaire Verhalten der Profis, nur weil es Amateure sind & sie es teilweise einfach nicht besser wissen? Das soll überhaupt nicht heissen, dass ich unfehlbar bin & meinem Pferd nie Unrecht tue oder sogar Schmerzen zufüge weil ich etwas falsch mache, zu spät verstehe, .. Um Gotteswillen, nein! Ich stehe noch total am Anfang & habe noch einen sehr langen Weg vor mir. Doch ich bemühe mich, jeden Tag dazu zu lernen. Ich nehme Kritik ernst, bilde mich weiter, suche den Fehler immer bei mir, versuche meine Emotionen immer unter Kontrolle zu halten & arbeite hart an mir selber. So wie viele andere auch. Aber es gibt eben auch viele, die das nicht tun. Die gegen das Pferd arbeiten & sich das Leben so «einfacher» machen wollen.

Deshalb ist Kritik wichtig. Kritik, die an Profis gerichtet ist, jedoch, oder sogar ganz besonders, auch Kritik die an uns Amateure gerichtet ist! Nur so können wir lernen & uns weiterentwickeln. Ich denke, das ist eine der grossen Fehlentwicklungen die unser toller Sport durchlebt. Man toleriert zu viel, übt zu wenig Kritik & nimmt selber keine Kritik an. Kritik sollte nicht als etwas Negatives angesehen werden. Man sollte sie nicht sofort persönlich nehmen & sich angegriffen fühlen. Im Gegenzug sollte Kritik jedoch auch fair & konstruktiv angebracht werden. Wie viel könnten wir voneinander lernen & profitieren, wenn wir nur wollten?

Aber nein, unser Sport entwickelt sich in eine komplett andere Richtung. Es geht nur noch um das Geld & den Gewinn. Ein tolles Beispiel hierfür ist dieses Video von einer Reiterin, die eine Inter-Prüfung reitet, obwohl sie dieses Niveau nicht annähernd hat. Vor einigen Wochen ist es viral gegangen & die Reiterwelt konnte sich gar nicht mehr halten vor bösen Kommentaren & «Hass». Doch selten einer hat sich gefragt, wie es denn eigentlich so weit kommen konnte?

Diese Reiterin wird einen Trainer haben. & dieser Trainer hat seinen Job definitiv nicht erfüllt! Denn er hätte ihr sagen sollen, dass sie noch nicht bereit ist eine solche Prüfung zu reiten. Dass sie nochmals an die Sitzlonge gehört & die Basics erlernen muss. Aber nein. Ihr Trainer scheint ihr gesagt zu haben: Na klar! Los, reite ein Inter! Denn er hört das Geld singen. Bekommt die Kundin das gesagt, was sie hören will, so bleibt sie. So verhalten sich leider in der heutigen Zeit viele Menschen. Vorzugsweise diese Menschen, die auch das Geld dazu haben. Da geht es nicht um gutes Reiten oder Fortschritte. Es geht nur um Status & Anerkennung. Man will nicht kritisiert werden. Man will keine Verbesserungsvorschläge. Man will nur hören, wie toll alles ist und danach wieder mit dem Range Rover nach Hause fahren & an den Pool liegen. Das ist jetzt natürlich übertrieben bildlich gesprochen.

Unser Sport, unsere Leidenschaft lebt von der Kritik & der Verbesserung. Jeder sollte dem Anderen sagen, was seiner Meinung nach besser sein könnte, was bereits gut ist & wie einiges noch besser werden kann. Nur so können wir immer besser werden & so das Leben unserer Pferde vereinfachen & verschönern. Fehltritte & Misserfolge gehören zum Reiten genauso wie sie zum Leben gehören, doch man darf sich der Kritik nicht verschliessen. Man muss sie förmlich aufsaugen & das daraus ziehen, was einem auf seinem Weg weiterbringt. Nur so bleibt man nie stehen.

Daher mein Vorschlag an alle Reiterinnen & Reiter. Nein, eigentlich an alle Menschen. Übt konstruktive & freundliche Kritik! Sagt, wie & was bessern sein könnte. Das wird unseren Sport & unsere Welt weiterbringen & so vielen Menschen die Augen öffnen.

Veröffentlicht von kimlesliekelly

pferdemädchen durch und durch.

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