Minimalistich(er) im Reitsport

Mein Pferd begleitet mich bereits seit fünf Jahren auf meinem Weg. Gekauft habe ich ihn, als ich zarte 18 Jahre alt war. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat Leo so einige meiner Phasen mitgemacht. Von der Ober-Mädchen-Phase mit Fake-Louis-Vuitton-Taschen und Michael Kors-Sonnenbrillen (natürlich absolut überhaupt nicht Original) bis zur Öko-Madame die sich nur Bio-Kokosöl ins Gesicht schmiert, hat er alles erlebt. Ich hatte gute Phasen und solche, bei denen ich dachte, tiefer geht’s nicht mehr. Manchmal hab ich mich für mich selbst geschämt, manchmal fand ich mich selber ganz toll. Und Leo? Dem war alles egal, so lange es Kekse gab. Und die gabs immer 😉

Nun gut. Zu meiner Anfangszeit mit eigenem Pferd habe ich noch zu Hause gewohnt. Auch wenn ich nie viel Geld hatte, da meine Finanzqualitäten mit einem 150kg Mensch bei einem Marathon zu vergleichen sind, hatte ich immer so ein bisschen was und sparen.. ach, das muss kein Mensch. Wer weiss schon, was morgen kommt! (Danke Vergangenheits-Kim für dieses Motto, gut gemacht /Ironie off).

So habe ich oft Sachen gekauft und bestellt. Keine grossen Anschaffungen. Da mal was und dort mal was. Auch nie teuer, halt gerade so, dass es mein Konto noch so knapp verkraften konnte.

Lange war mir das gar nicht bewusst. Und irgendwie habe ich auch von diesem Konsum gelebt. Ich liebte es. Wenn möglich habe ich jeden Trend mitgemacht und wollte immer mehr, mehr und noch mehr.

2018 habe ich extrem zu mir selbst gefunden. Ich habe mir eine innere Ruhe angeeignet, die ich nie für möglich gehalten hätte. Es ist auch so einiges passiert, das nicht sehr angenehm war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls habe ich bis Ende 2018 einige Zeit mit meiner ehemals besten Freundin zusammengewohnt. Bis der Bruch kam. Wir haben uns sowas von verzankt! Leo stand verletzungsbedingt ein Jahr auf der Weide, weshalb ich nicht mehr als ein paar Bürsten und Halfter mit Strick benötigte. Die meisten meiner Pferde-Sachen waren bei der Mutter meiner damaligen Freundin untergebracht, da wir in einer relativ kleinen Wohnung hausten. Als Leo dann wieder ins Leben als Reitpferd zurückfand, hatte ich alles, was ich benötigte: Sattel, Schabracke, Zaum, Sattelgurt. Mir hat nichts gefehlt.

Irgendwann konnte ich mein restliches Equipment abholen. In meiner Vorstellung waren das noch ein paar Gamaschen und wenige kleinere Sachen. Mich traf der Schlag, als ich vor dieser rieeeeesigen Kiste stand. Bis oben gefüllt mit völlig unnützem und qualitativ echt schlechtem Zeug. Und der ganze Schei** gehörte mir!

Ganz knapp konnte ich den ganzen Kram in meinem Fiat 500 unterbringen. Zu erwähnen, dass ich die Sitze runterklappen musste und nicht mehr aus der Heckscheibe sah, ist wohl nicht nötig.

Ich sass also in meinem Auto und war sowas von nicht glücklich. Denn mir wurde bewusst, dass das noch lange nicht alles ist. Viele weitere Sachen befanden sich im Keller meiner Mama und im Stall meiner Freundin.

Mir wurde klar: Ich bin ein Opfer des übermässigen Konsums!

Und nun wollte ich nur noch eins: Den ganzen Schei** einfach nur loswerden.

Gesagt, getan. Fotografiert und auf Facebook online gestellt. Einige wenigen Sachen gingen weg, der Rest schwirrt nun im Keller meiner neuen Wohnung umher. Geister, welche kein Mensch mehr will oder braucht.

So gerne würde ich das alles loswerden, denn es belastet mich regelrecht. Es kommt mir vor wie ein Rucksack voller Zeug, den ich rumschleppen muss, obwohl ich daraus gar nichts mehr benötige.

Für 2019 habe ich mir vorgenommen, minimalistischer zu leben. Nicht «krankhaft» mit dem Ziel, nur noch 50 Sachen zu besitzen, aber ich möchte nichts Neues mehr kaufen, das ich nicht wirklich benötige. Für mich gibt’s also keine neuen Kleider. Denn mein Kleiderzimmer (ja, ich habe ein ganzes Zimmer! 😀 ) ist voll und ich hab für jeden Anlass was anzuziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich eh alles in Reithosen erledige und neben meinem Pferd auch gar kein Leben führe. Für mein Pferd gönne ich mir dieses Jahr einen neuen Sattelgurt. Den braucht er wirklich dringend, denn sein Mattes-Lammfellgurt verursacht leider leichte Druckstellen, da er etwas zu lang ist. Einen neuen Helm werde ich mir gezwungenermassen kaufen müssen, denn mein Jetziger wurde Opfer von Pferdezähnen und ist auch bereits einige Jahre alt.

Ansonsten möchte ich gerne alles, was ich nicht benötige, verkaufen oder verschenken. Hauptsache jemand anderes erfreut sich daran, denn ich tus nicht mehr. Ein paar meiner Passier-Pads in gedeckten Farben, mein allerliebster Hennig-Sattel, ein Zaum mit Gebiss und einige Pferdedecken reichen aus.

Also folge ich, wie schon einige Male in meinem Leben (ein hoch auf die beiden Michael Kors Taschen, welche in meinem Kleiderzimmer stehen und darauf warten, ausgeführt zu werden), dem Trend und leben minimalistisch(er).

Ein Hoch auf weniger Ballast in 2019!

Kennst du jemanden, der sich über ein paar Gamaschen, einen Zaum oder sowas freuen würde? Schreib mir, ich hab noch so einiges, das ein schönes neues zu Hause sucht!

Autor: kimlesliekelly

pferdemädchen durch und durch.

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