Kritik im Reitsport

Heute möchte ich mich zu einem Thema äussern, das mir schon länger auf der Seele brennt. In der letzten Zeit liest man immer sehr viel Kritik und Vorwürfe, welche an die Profis im Reitsport gerichtet ist. Nur um das hier klarzustellen, ich bin absolut GEGEN jegliche Ungerechtigkeit und Gewalt gegen Pferde, bzw. Tiere im Allgemeinen. Jedoch finden sich im Amateursport meiner Meinung nach auch sehr viele Pferde, welchen Leid zugetragen wird. Teilweise unwissend, teilweise auch im vollen Wissen des Täters. Auch wenn die Profis unsere Aushängeschilder sind (& schlechtes Reiten & unfaires Verhalten absolut nicht toleriert werden sollen), finde ich nicht, dass Gewalt am Pferd vom Profi ausgeführt als so viel schlimmer deklariert werden sollte, als bei den Amateuren. Vielen Pferden von Amateuren wird täglich unrecht zugearbeitet. Reiter, welche einen total unausbalancierten Sitz haben, springen ihre Pferde ohne Sattel über Hindernisse, welche sie nicht korrekt anreiten mit falschen Distanzen. Reiter mit viel zu harter Hand zurren ihre Pferde vorne runter & nennen es Versammlung, obwohl sie selbst kaum im Stande sind den Trab auszusitzen. Ist das fairer, als das unfaire Verhalten der Profis, nur weil es Amateure sind & sie es teilweise einfach nicht besser wissen? Das soll überhaupt nicht heissen, dass ich unfehlbar bin & meinem Pferd nie Unrecht tue oder sogar Schmerzen zufüge weil ich etwas falsch mache, zu spät verstehe, .. Um Gotteswillen, nein! Ich stehe noch total am Anfang & habe noch einen sehr langen Weg vor mir. Doch ich bemühe mich, jeden Tag dazu zu lernen. Ich nehme Kritik ernst, bilde mich weiter, suche den Fehler immer bei mir, versuche meine Emotionen immer unter Kontrolle zu halten & arbeite hart an mir selber. So wie viele andere auch. Aber es gibt eben auch viele, die das nicht tun. Die gegen das Pferd arbeiten & sich das Leben so «einfacher» machen wollen.

Deshalb ist Kritik wichtig. Kritik, die an Profis gerichtet ist, jedoch, oder sogar ganz besonders, auch Kritik die an uns Amateure gerichtet ist! Nur so können wir lernen & uns weiterentwickeln. Ich denke, das ist eine der grossen Fehlentwicklungen die unser toller Sport durchlebt. Man toleriert zu viel, übt zu wenig Kritik & nimmt selber keine Kritik an. Kritik sollte nicht als etwas Negatives angesehen werden. Man sollte sie nicht sofort persönlich nehmen & sich angegriffen fühlen. Im Gegenzug sollte Kritik jedoch auch fair & konstruktiv angebracht werden. Wie viel könnten wir voneinander lernen & profitieren, wenn wir nur wollten?

Aber nein, unser Sport entwickelt sich in eine komplett andere Richtung. Es geht nur noch um das Geld & den Gewinn. Ein tolles Beispiel hierfür ist dieses Video von einer Reiterin, die eine Inter-Prüfung reitet, obwohl sie dieses Niveau nicht annähernd hat. Vor einigen Wochen ist es viral gegangen & die Reiterwelt konnte sich gar nicht mehr halten vor bösen Kommentaren & «Hass». Doch selten einer hat sich gefragt, wie es denn eigentlich so weit kommen konnte?

Diese Reiterin wird einen Trainer haben. & dieser Trainer hat seinen Job definitiv nicht erfüllt! Denn er hätte ihr sagen sollen, dass sie noch nicht bereit ist eine solche Prüfung zu reiten. Dass sie nochmals an die Sitzlonge gehört & die Basics erlernen muss. Aber nein. Ihr Trainer scheint ihr gesagt zu haben: Na klar! Los, reite ein Inter! Denn er hört das Geld singen. Bekommt die Kundin das gesagt, was sie hören will, so bleibt sie. So verhalten sich leider in der heutigen Zeit viele Menschen. Vorzugsweise diese Menschen, die auch das Geld dazu haben. Da geht es nicht um gutes Reiten oder Fortschritte. Es geht nur um Status & Anerkennung. Man will nicht kritisiert werden. Man will keine Verbesserungsvorschläge. Man will nur hören, wie toll alles ist und danach wieder mit dem Range Rover nach Hause fahren & an den Pool liegen. Das ist jetzt natürlich übertrieben bildlich gesprochen.

Unser Sport, unsere Leidenschaft lebt von der Kritik & der Verbesserung. Jeder sollte dem Anderen sagen, was seiner Meinung nach besser sein könnte, was bereits gut ist & wie einiges noch besser werden kann. Nur so können wir immer besser werden & so das Leben unserer Pferde vereinfachen & verschönern. Fehltritte & Misserfolge gehören zum Reiten genauso wie sie zum Leben gehören, doch man darf sich der Kritik nicht verschliessen. Man muss sie förmlich aufsaugen & das daraus ziehen, was einem auf seinem Weg weiterbringt. Nur so bleibt man nie stehen.

Daher mein Vorschlag an alle Reiterinnen & Reiter. Nein, eigentlich an alle Menschen. Übt konstruktive & freundliche Kritik! Sagt, wie & was bessern sein könnte. Das wird unseren Sport & unsere Welt weiterbringen & so vielen Menschen die Augen öffnen.

Tu was du willst, solange es den Anderen auch gefällt.

Ich liebe lange Spaziergänge mit meinem Pferd. Am liebsten zwei bis vier Stunden, im einigermassen strammen Tempo durch den Wald. Dabei kann ich wunderbar denken. Nachdenken. Über die Welt, Menschen, mein Leben, meine Ziele und den Sinn. Das ist einer meiner eingefleischten «Krankheiten». Alles muss irgendwie Sinn haben. Finde ich keinen Sinn in einer Tätigkeit, führe ich sie nicht gerne aus. Momentan mein grösstes Unglück in Bezug auf meinen Job. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute bei einem solchen Spaziergang ist mir dann aufgefallen, dass ich die Doppelmoral, welche viele Menschen an den Tag legen echt verwerflich finde. Ich habe dazu auch ein gutes Beispiel.

Podcast sind ein kleines Hobby von mir. Im Auto, und da verbringe ich leider ziemlich viel Zeit, höre ich mir am liebsten vorher genanntes an. Manchmal gefüllt mit Wissen, manchmal einfach absoluter Nonsense, aber dafür einfache, unterhaltende Kost.

Vor kurzer Zeit habe ich einen neuen Schweizer Podcast entdeckt. Zwei Frauen mittleren Alters, lustig zum Hören, klingen beide Sympathisch.

Die eine der beiden Damen hat auch einen Blog. Bin dort also auch schnell durchgescrollt. Viele «Coaching»-Posts à la «Mach was dir gut tut, ohne darüber nachzudenken, was andere von dir halten»-Blablabla. Alles ganz okay. Selbsthilfeposts wie man sie im Internet mittlerweile scharenweise findet. Dagegen habe ich überhaupt nichts, im Gegenteil: Ich lese sie manchmal selbst sehr gerne. Denn da sind wir wieder beim einfachen Entertainment.

Da haben die beiden Frauen also übers Spenden geredet. Die eine hat sich dann darüber ausgekotzt, dass die meisten Menschen an Tier-Organisationen spenden und nicht an Menschenhilfswerke. Und mit ausgekotzt meine ich so richtig ausgekotzt. Sie hat sich richtig reingesteigert, konnte das überhaupt nicht verstehen und wurde schon fast ein bisschen beleidigend diesen Menschen gegenüber.

Erst dachte ich mir, nun gut. Krasse Meinung, aber es soll anscheinend auch Menschen geben, die Tiere nicht mögen.

Bei besagtem Spaziergang dachte ich nochmals darüber nach, da ich die Haltung doch ziemlich krass fand. Und dann ging mir ein Licht auf: MACH, WAS AUCH IMMER DU MÖCHTEST UND DIR GUT TUT, ABER MEINE GÜTE, DOCH NICHT DAS!

So scheint es vielerorts heute zu sein. Die Menschen sinnieren darüber, dass doch jeder Mensch das tun soll, was sein Herz mit Glück erfüllt – Im gleichen Atemzug werden aber Handlungen aufs schärfste verurteilt. Handlungen, die keinem was Böses tun.

Wie obiges Beispiel. Klar, einigen Menschenhilfswerken sind Spenden durch die Lappen. Doch keinem ist wirklich Schlechtes oder Böses widerfahren deswegen. Keiner wurde verletzt.

Wenn nun jemand lieber an den Zürizoo spendet als an das Rote Kreuz, weil er dann ein besseres Gefühl dabei hat, was ist denn daran verwerflich? Warum kommt jemand darauf, dies in einem Podcast so nieder zu machen?

Deshalb hier meine Ode an die Doppelmoral: Menschen, hört auf Wein zu predigen und Wasser zu servieren. Lasst die Menschen ihre eigenen Entscheidungen treffen, ohne diese sofort zu verurteilen und last but not least: Kehrt zuerst vor der eigenen Haustür, Selbstreflektion tut manchmal weh, aber sie bringt jeden voran!

 

 

Minimalistich(er) im Reitsport

Mein Pferd begleitet mich bereits seit fünf Jahren auf meinem Weg. Gekauft habe ich ihn, als ich zarte 18 Jahre alt war. Wie ihr euch vorstellen könnt, hat Leo so einige meiner Phasen mitgemacht. Von der Ober-Mädchen-Phase mit Fake-Louis-Vuitton-Taschen und Michael Kors-Sonnenbrillen (natürlich absolut überhaupt nicht Original) bis zur Öko-Madame die sich nur Bio-Kokosöl ins Gesicht schmiert, hat er alles erlebt. Ich hatte gute Phasen und solche, bei denen ich dachte, tiefer geht’s nicht mehr. Manchmal hab ich mich für mich selbst geschämt, manchmal fand ich mich selber ganz toll. Und Leo? Dem war alles egal, so lange es Kekse gab. Und die gabs immer 😉

Nun gut. Zu meiner Anfangszeit mit eigenem Pferd habe ich noch zu Hause gewohnt. Auch wenn ich nie viel Geld hatte, da meine Finanzqualitäten mit einem 150kg Mensch bei einem Marathon zu vergleichen sind, hatte ich immer so ein bisschen was und sparen.. ach, das muss kein Mensch. Wer weiss schon, was morgen kommt! (Danke Vergangenheits-Kim für dieses Motto, gut gemacht /Ironie off).

So habe ich oft Sachen gekauft und bestellt. Keine grossen Anschaffungen. Da mal was und dort mal was. Auch nie teuer, halt gerade so, dass es mein Konto noch so knapp verkraften konnte.

Lange war mir das gar nicht bewusst. Und irgendwie habe ich auch von diesem Konsum gelebt. Ich liebte es. Wenn möglich habe ich jeden Trend mitgemacht und wollte immer mehr, mehr und noch mehr.

2018 habe ich extrem zu mir selbst gefunden. Ich habe mir eine innere Ruhe angeeignet, die ich nie für möglich gehalten hätte. Es ist auch so einiges passiert, das nicht sehr angenehm war. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls habe ich bis Ende 2018 einige Zeit mit meiner ehemals besten Freundin zusammengewohnt. Bis der Bruch kam. Wir haben uns sowas von verzankt! Leo stand verletzungsbedingt ein Jahr auf der Weide, weshalb ich nicht mehr als ein paar Bürsten und Halfter mit Strick benötigte. Die meisten meiner Pferde-Sachen waren bei der Mutter meiner damaligen Freundin untergebracht, da wir in einer relativ kleinen Wohnung hausten. Als Leo dann wieder ins Leben als Reitpferd zurückfand, hatte ich alles, was ich benötigte: Sattel, Schabracke, Zaum, Sattelgurt. Mir hat nichts gefehlt.

Irgendwann konnte ich mein restliches Equipment abholen. In meiner Vorstellung waren das noch ein paar Gamaschen und wenige kleinere Sachen. Mich traf der Schlag, als ich vor dieser rieeeeesigen Kiste stand. Bis oben gefüllt mit völlig unnützem und qualitativ echt schlechtem Zeug. Und der ganze Schei** gehörte mir!

Ganz knapp konnte ich den ganzen Kram in meinem Fiat 500 unterbringen. Zu erwähnen, dass ich die Sitze runterklappen musste und nicht mehr aus der Heckscheibe sah, ist wohl nicht nötig.

Ich sass also in meinem Auto und war sowas von nicht glücklich. Denn mir wurde bewusst, dass das noch lange nicht alles ist. Viele weitere Sachen befanden sich im Keller meiner Mama und im Stall meiner Freundin.

Mir wurde klar: Ich bin ein Opfer des übermässigen Konsums!

Und nun wollte ich nur noch eins: Den ganzen Schei** einfach nur loswerden.

Gesagt, getan. Fotografiert und auf Facebook online gestellt. Einige wenigen Sachen gingen weg, der Rest schwirrt nun im Keller meiner neuen Wohnung umher. Geister, welche kein Mensch mehr will oder braucht.

So gerne würde ich das alles loswerden, denn es belastet mich regelrecht. Es kommt mir vor wie ein Rucksack voller Zeug, den ich rumschleppen muss, obwohl ich daraus gar nichts mehr benötige.

Für 2019 habe ich mir vorgenommen, minimalistischer zu leben. Nicht «krankhaft» mit dem Ziel, nur noch 50 Sachen zu besitzen, aber ich möchte nichts Neues mehr kaufen, das ich nicht wirklich benötige. Für mich gibt’s also keine neuen Kleider. Denn mein Kleiderzimmer (ja, ich habe ein ganzes Zimmer! 😀 ) ist voll und ich hab für jeden Anlass was anzuziehen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich eh alles in Reithosen erledige und neben meinem Pferd auch gar kein Leben führe. Für mein Pferd gönne ich mir dieses Jahr einen neuen Sattelgurt. Den braucht er wirklich dringend, denn sein Mattes-Lammfellgurt verursacht leider leichte Druckstellen, da er etwas zu lang ist. Einen neuen Helm werde ich mir gezwungenermassen kaufen müssen, denn mein Jetziger wurde Opfer von Pferdezähnen und ist auch bereits einige Jahre alt.

Ansonsten möchte ich gerne alles, was ich nicht benötige, verkaufen oder verschenken. Hauptsache jemand anderes erfreut sich daran, denn ich tus nicht mehr. Ein paar meiner Passier-Pads in gedeckten Farben, mein allerliebster Hennig-Sattel, ein Zaum mit Gebiss und einige Pferdedecken reichen aus.

Also folge ich, wie schon einige Male in meinem Leben (ein hoch auf die beiden Michael Kors Taschen, welche in meinem Kleiderzimmer stehen und darauf warten, ausgeführt zu werden), dem Trend und leben minimalistisch(er).

Ein Hoch auf weniger Ballast in 2019!

Kennst du jemanden, der sich über ein paar Gamaschen, einen Zaum oder sowas freuen würde? Schreib mir, ich hab noch so einiges, das ein schönes neues zu Hause sucht!

Inside Wetzlgut

2019 ist mein Jahr! Es hat mir schon so viel Gutes gebracht, das kann nur toll werden. Unter anderem hatte ich im Dezember das grosse Glück, zum Inside Wetzlgut bei Nicola & Herbert Baur in Bad Gastein eingeladen zu werden. Mitte Januar war es dann soweit: Meine Reise nach Österreich begann. Mitten in der Nacht, genauer gesagt um 3. Uhr in der Früh, bin ich ins Auto gestiegen und die knapp 600 km nach Bad Gastein gefahren.

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Aussicht in Bad Gastein

Um gleich zu Beginn mit den Schweizer-Klischees aufzuräumen kam ich – zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk – 20 Minuten zu spät. Zu verdanken war das unter anderem den Verständigungsproblemen zwischen Google-Maps und Kim-Gehirn.

Nach einem kurzen verzweifelten Aufschrei in meinem Inneren, weil leider bereits keiner mehr beim Treffpunkt war (komisch, waren doch nur 20 Min?!) und einem leicht hysterischen Telefonanruf meinerseits, wurde ich von der Receptionistin des Hotels Wetzlgut zur Gruppe gebracht. Herbert, Nicolals Mann, hat mich am Stalltor abgeholt. Und meine Nervosität verflog sofort – denn meine Güte, diese Leute sind vielleicht nett und sympathisch! Nicola und Herbert gehören zu den Menschen, welche man sofort in seinem imaginären Freundebuch aufnehmen und nie mehr loslassen will.

Und dabei war ich zuvor so nervös, weil ich zu spät war und durch meine Verspätung auch keine Präsent mehr besorgen konnte und keinen Parkplatz gefunden habe und überhaupt! Ich kannte Nicola lediglich von ihrem Instagram-Account. Sie wirkte meiner Meinung nach zwar immer sehr freundlich und liebevoll, jedoch ist der Schein der lieben Social-Media-Welt doch manchmal ziemlich trügerisch. So habe ich sie mir ein bisschen wie eine böse Dressurhexe vorgestellt. Im Nachhinein tut mir dieser Gedanke richtig leid, denn ich hatte wirklich von Anfang bis Ende das Gefühl, willkommen zu sein. Nun gut, genug Lobeshymnen auf die Baurs. 😀

Hatte ich es also geschafft. Stand im Stall bei der Gruppe und konnte das erste Mal durchatmen. Puh. Und dann traf es mich wie der Schlag: Scheisse WIE SCHÖN IST ES HIER?! Alles blitze-blank und im englischen-Stil eingerichtet. Genau mein Ding. Super ordentlich, jedoch nicht zu akribisch. Und es herrschte eine Ruhe, das kann man wirklich nicht in Worte fassen. Da können die Pferde nur zufrieden und glücklich sein. Wir wurden mit Tee und Gebäck begrüsst, kurz darauf schwang sich Nicola auch bereits auf das erste Pferd. Wir sassen in der Halle und waren wohl alle froh, die Heizdecken über unseren Beinen ausbreiten zu können. Aber der Anblick, der sich uns bot, tröstete uns gut über die Kälte hinweg. Nicola ritt das erste Pferd und Herbert fotografierte und unterstützte sie dabei. Wenn das nicht #couplegoals sind, was dann?! Er half ihr tatkräftig und stellte sich als Wäscheständer und Pferde-Halter bereit.

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Nicola und Herbert Baur

Ihre Reiterei habe ich ebenfalls sehr gerne beobachtet. Sie arbeitet die Pferde sehr geduldig und fair. Wird nicht emotional, auch wenn mal was nicht klappt und auch nie laut. Die Pferde bekommen Pausen, werden gelobt aber sehr konsequent behandelt. Die Pferde schienen allesamt zufrieden und motiviert. Und einer nach dem anderen zeigte uns, wie so ein Dressurpferd aussehen sollte. Wahnsinn, ich war natürlich die ganze Zeit über schockverliebt! Wir durften alles fragen, was uns auf der Zunge brannte und bekamen ausführliche und aufschlussreiche Antworten. Nach dem Training wurden die Pferde perfekt versorgt und gepflegt. In Bad Gastein lässts sich aushalten als Pferd!

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Paddockzeit im Schnee
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Reiterstüberl und Sattelkammer in einem

Die Anlage ist der füdliblutte Wahnsinn. Konnte den Kiefer nur mit Müh und Not an seinem Platz behalten. Das tausendste Mail schockverliebt war ich, als die Hunde angerannt kamen und unsere Gruppe aufmischten.

Danach gings für ein total leckeres Mittagessen und meinen allerersten Kaiserschmarn ins Skihotel Rossalm. Dort hatten wir eine tolle Zeit und viele gute Gespräche. Wirklich ein wunderbarer Tag. Die 4 Länder, knapp 1200km, 4 verpasste Abzweigungen und zwei leichten Nervenzusammenbrüche haben sich mehr als gelohnt.

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Himmel auf dem Nachhauseweg

Falls ihr je die Chance bekommt Nicola zu besuchen: Just do it! Sowas sieht man nicht so schnell wieder.

Weiteres zu Nicola, ihren Pferden und Ihrer Anlage findet ihr auf ihrem Blog: https://nicolabaurdressage.com/ oder auf ihrem Instagram-Account: https://www.instagram.com/nicolabaurdressage/

Unser Aufbautraining

Die neun Monate nichts tun ausser das Leben geniessen und fressen sieht man dem Leo deutlich an. Er ist kein Pferd, das dick wird. Deshalb sieht er momentan schaurig aus. Nicht zu dünn, aber natürlich ohne Muskeln, mit dickem zotteligem Winterfell und komplett ohne Oberlinie.

Das möchte ich nun natürlich wieder ändern, doch mein grösstes Ziel beim Wiederaufbau ist, dass er stets mit Motivation dabei ist und Freude hat an der Arbeit. Ausserdem möchte ich ihn sehr nachhaltig Aufbauen, damit ich noch sehr lange Freude an meinem Pferd haben kann und er, hoffentlich *fingers crossed*, bis ins hohe Alter gesund bleibt.

Darum habe ich mich entschieden, den Aufbau sehr langsam anzugehen. Da spielt natürlich auch der Faktor ein, dass wir am Stall keine Infrastruktur haben. Was mich momentan sowieso sehr einschränkt, doch wenn ich ihn nicht umstellen möchte, muss ich mich damit arrangieren. Und da er sich so wohl fühlt in seiner Gruppe, möchte ich ihn so lange wie nur möglich dort lassen.

Natürlich bin ich eigentlich eher ungeduldig. Ich kann es kaum erwarten, ihn wieder soweit wie vor der Pause zu haben. Jeder Ritt war eine Freude, es hat solchen Spass gemacht täglich mit ihm zu lernen und wir haben in kurzer Zeit so viele Fortschritte gemacht. Die Lizenz und dann der Start in L wäre ein erreichbares Ziel gewesen. Das alles ist natürlich in weite Ferne gerückt, was mich auch oft etwas traurig stimmt. Doch die Gesundheit und der Erhalt der Freude meines Pferdes an der Arbeit geht nun definitiv vor meine Ziele!

Deshalb sieht unser Plan die nächsten Wochen folgendermassen aus: Spazieren! Spazieren, bis uns die Beine ausfallen. Anfangs 30 Minuten, dann eine Stunde, dann zwei Stunden und irgendwann ohne jegliche Zeiteinschränkung. Das macht das Pferd und mich zusammen fit für das weitere Training und schafft bei uns beiden eine Grundkondition.

Wenn er soweit ist, habe ich das Glück, dass ich ein Pferd bei uns im Stall mitreiten darf. Also geht es für Leo danach als Handpferd ins Gelände. So können wir den Trab und nach und nach den Galopp auch wieder ins Repertoire aufnehmen.

Natürlich würde ich ihn auch gerne mal Longieren können. Gerade der Biegung, Stellung und Geraderichtung würde das sehr gut tun. Auch baut er dadurch besser Muskulatur auf, als nur mit Spazieren und Geländetouren. Doch momentan ist das noch nicht möglich, da wir einfach keine Infrastruktur haben. Ich muss mir da wohl oder übel etwas überlegen in den nächsten Wochen. Denn so ganz ohne Platz oder Halle geht es leider wirklich nicht, wenn man im Sport reiten möchte. Selbst wenn es «nur» im unteren Amateurbereich ist. Ohne Training wird man nicht besser uns ohne Infrastruktur kein Training. Mal gucken wie ich das anstellen werde!

Sobald wir durch das Spazieren und hoffentlich Longieren eine gute Kondition und eine ansehbare Muskulatur aufbauen konnten, werde ich mich wieder ans Reiten wagen. Dann steht erst ein paar Monate die Losgelassenheit und der Takt im Vordergrund. Erst danach möchte ich wieder am Schwung und der Tragkraft arbeiten. Denn Schwung bringt mein Grosser von sich aus schon sehr viel mit! Viel wichtiger sind bei ihm eine reelle Anlehnung und, dass die Losgelassenheit erhalten bleiben kann.

Und bis es nun soweit ist, werde ich mir selber so viel gute Theorie wie möglich aneignen. Dazu habe ich mir viele Bücher und Hefte gekauft, so wird mir auch nicht «langweilig», wenn ich noch nicht so viel mit meinem Pferdchen machen kann. 😊

Auslaufboxe reicht doch für den! – Oder doch nicht?

Die Pferdehaltung hat sich in den letzten Jahren wirklich positiv verändert & wurde immer mehr zum Vorteil der Pferde gedreht. Doch noch immer gibt es viele Pferde, die in relativ kleinen Boxen hausen. «Ach, der kommt doch tagsüber raus.»

«Der braucht das so, sonst ist der zu faul beim Reiten.»

«Der kann sich doch auf seinem Paddock bewegen.»

«Der kennt das nur so.»

«In einer Gruppe kommt der nicht zurecht.»

Das sind dann oft die Standartsätze welche gebraucht werden, um diese Haltung zu rechtfertigen. Wirklich lange war ich auch eine dieser Reiterinnen. Mein Pferd stand in einer, mit dem Standard verglichen, wirklich grosszügigen Auslaufboxe & durfte bei gutem Wetter natürlich auf die Weide. Nach Möglichkeit mit einem Kumpel, aber meistens alleine, da die Anderen die Verletzungsgefahr für zu gross hielten. Viele Jahre habe ich zwar gewusst, dass das nicht das Beste ich, was ich meinem Pferd bieten kann, habe jedoch damit gelebt, weil ich dachte: «So schlimm ist das gar nicht, der fühlt sich wohl.»

Das er sich zu wenig bewegt, manchmal dicke Beine hat vom Stehen & wahrscheinlich nicht so viel zu tun hat den ganzen Tag war mir schon bewusst, doch das habe ich weit in den Hinterkopf verdrängt. Denn das machen doch alle so & deren Pferde sind auch zufrieden!

Hinzu kommt, dass mein Pferd ein soziales Antitalent ist. Er wurde mit der Flasche aufgezogen & – ach du meine Güte – das merkt man gut! Er ist/war ein kleiner Sheldon. Verstand die anderen Artgenossen manchmal nicht, wusste nicht wie reagieren, hat sich überhaupt nicht getraut mal für sich einzustehen & hatte demnach ganz ganz schnell die Hosen voll. In meinen Augen also ganz klar kein Gruppenpferd, der würde untergehen! Oder?

Seine Verletzungspause & damit verbundene «Reit- & Trainingsstopp» haben mich zum Umdenken angeregt. Nach einem Monat Schrittführen wurde sogar mein ruhiges, ausgeglichenes Eselchen zu einem nervigen «Etwas». Auf der Weide ist er gerannt wie ein Irrer & spazieren führen wurde ein richtiges Abenteuer. Da ich wusste, dass dies noch mindestens 5 Monate, wenn nicht sogar länger, so weitergehen würde, musste ein Plan B her.

Ich suchte also nach Winterweiden in meiner Umgebung. Denn zu weit weggeben wollte ich mein Baby nicht. Ach & überhaupt! Der würde doch nie & nimmer überleben so ganz ohne mich in einer Pferdeherde.

Tja – falsch gedacht Mutti! Zu meinem Glück meldete sich eine Freundin von mir, welche ihre Pferde seit kurzem bei ihrem neuen Freund auf dem Bauernhof hat. Nichts Schickes, kein Luxus, keine Infrastruktur, doch meine Güte haben diese Pferde viel Platz! Zu diesem Zeitpunkt bildeten ihre drei Kleinpferde und drei Shetlandponys die Gruppe. Ich bin mir den Stall ein paar Mal angucken gegangen. Überlegte hin. Und her. Und hin. Und her.

«Die Liegefläche ist zu klein..»

«Was, wenn er sich nicht wohlfühlt?»

«Was, wenn die anderen Pferde ihn nicht mögen?»

«Was, wenn er die anderen Pferde nicht mag?»

Viele Gründe uns Ausreden sind mir eingefallen, warum mein Pferd doch nicht in eine Gruppe sollte. Doch am Ende dachte ich mir: No risk no fun, wenn es nicht klappt, steht er schnell wieder im Hänger.

Und so brachte ich meinen Dicken in den Gruppenstall.

Und es klappte von Anfang an super! Die Pferde haben meinen kleinen Sheldon gut aufgenommen, brachten ihm die wichtigsten Verhaltensweisen bei, liessen ihn Teil ihrer Truppe werden. Zu meiner Überraschung schien das Leo auch immer mehr zu gefallen. Er blühte richtig auf! Anfangs traute er sich nicht an die Anderen ran, mittlerweile schläft er (Randbemerkung: Er schlief sehr schlecht in der Auslaufboxe!! Wir dachten bereits er hat Neurolepsie, da er oft einsackte & sich ständig die Fesseln aufschlug!) während seine Freunde um ihn rumstehen oder auch liegen. Er traut sich an die Heuraufe. Er spielt mit den Ponys & traut sich ganz nahe an die anderen Genossen ran. Das alles in fünf Monaten!

Klar gibt es Nachteile. Gerade wenn man im Sport reiten möchte, ist es nicht ganz so einfach mit dem Scheren und Eindecken. Die Pferde sind logischerweise dreckiger und sehen nicht mehr so schick aus, da einfach mal ein paar Macken ab sein können oder sie sich die Mähne gemeinsam schubbern. Aber die Vorteile überragen definitiv!

Leo hatte immer Probleme mit dicken Beinen und konnte sich durch das Shivering nach langem Stehen in der Auslaufboxe anfangs ganz schlecht bewegen. Er brauchte immer «Einlaufzeit». Jetzt hat er das nicht mehr, weil er bewegt sich sozusagen rund um die Uhr, genau so viel wie er möchte. Die Beine sind dadurch auch überhaupt nicht mehr dick und die Galle ist komplett weg.

Mein ganzes Pferd ist im Allgemeinen zufriedener, wacher und gesünder! Für mich steht deshalb fest: Kann ich es irgendwie verhindern, wird mein Pferd nie mehr in einer Boxe untergebracht. Ausnahmen bilden da natürlich Kurse, Turniere oder Krankheiten. Aber sein normales Zuhause soll wenn möglich immer ein Offenstall bleiben.

Mein allergrösstets Problem, was diesen Punkt angeht, ist momentan, dass wir am Stall gar keine Infrastruktur haben. Mit etwas Glück ändert sich das jedoch bis Ende Jahr und eine Halle wird gebaut. Das ist jedoch noch nicht fix. Doch ich hoffe das Beste, denn ich würde ihn so so gerne dort eingestellt lassen. Mal gucken ob ich es schaffe, gute Trainingsmöglichkeiten und faire Haltung zu verbinden. Ich werde mir Mühe geben! 😊